Falkenwache des Alpenvereins

Mit 300 km/Std stürzt sich der Wanderfalke auf seinen tief unter ihm fliegen- den Beutevogel. Dieser einzigartige Sturzflug hat die Menschen seit je beeindruckt. Darum hat man diese größten Falken Europas aus den Horsten geholt, bevor sie flügge waren, und zu Jagdvögeln ausgebildet. Im Mittelalter war es ein Privileg fürstlicher Damen und Herren, hoch zu Ross mit einem gezähmten Wanderfalken auf der Hand zur Jagd auszureiten. Doch auch heute noch gibt es leidenschaftliche Anhänger dieser Jagdart, die bereit sind, viel Geld für einen gut ausgebildeten Wanderfalken zu zahlen. Das droht dem auf freier Wildbahn lebenden Vogel zum Verhängnis zu werden, denn manch einer raubt die Küken aus den meist an Felswänden liegenden Horsten, um sie zu sogenannten Gerfalken aufzuziehen und später teuer zu verkaufen. Hierdurch, aber auch durch in der Landwirtschaft verwendete Herbizide sind die Bestände an Wanderfalken geschrumpft und sie waren in Gefahr auszusterben. Vor etwa zwanzig Jahren startete der Bayerische Landesbund für Vogelschutz ein Programm für die Rettung dieser stolzen Tiere. An den wenigen Horsten, die noch bezogen waren, setzte man Wachen ein, die rund um die Uhr nicht nur die Falkenräuber von ihrem frevelhaften Tun abhielten, sondern überhaupt dafür sorgten, dass die Altvögel so ungestört wie möglich ihre zwei- bis vierköpfige Brut aufziehen konnten. Dies und weitere Maßnahmen haben die Zahl der Wanderfalken in unserer Landschaft wieder anwachsen lassen. Heute scheint die Gefahr ihres unmittelbar bevorstehenden Aussterbens zumindest hinausgeschoben zu sein.

An einigen Horsten hat der Landesbund für Vogelschutz ihre strenge Bewachung durch zeitweilige Beobachtung ersetzt (Artenhilfsprogramm). Siehe auch den Artikel "Wanderfalkenbewachung 2003" in DAV Panorama 6/2002 S. 65.

Der Alpenverein beteiligt sich an dem Schutzprogramm. Er ruft seine Kletterer auf, Felswände, an denen die bezogenen Horste der Wanderfalken liegen, während der Aufzucht von Mitte März bis Anfang Juni zu meiden und selber Wachen und Beobachter zu stellen. Die Sektion Garching des Alpenvereins folgte diesem Aufruf und so waren neun ihrer Mitglieder vom 25. Mai 2002 an sieben Tage lang an drei Horsten bei Eichstätt und Wellheim eingesetzt. Sie trugen dazu bei, dass die Aufzucht von mindestens drei jungen Wanderfalken gelang.

Während ihres auch wetterbedingt nicht leichten Dienstes beobachteten sie die ersten noch unsicheren, bald aber immer eleganteren Flüge der stolzen Vögel.


Hans Wien