DAV Sektion Garching: Tourenberichte

Gerhard Zöllner: Von Murphy verfolgt und von der Hexe getroffen
(14.-15.07.2001)

Wenn Murphy's Gesetz ("Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief") zu wirken beginnt, wann ist da ein Ende in Sicht? Solches fragten wir drei Mountainbiker uns, als wir am 14. Juli beim Ausgangspunkt unserer Wochenendtour zur Sesvenna-Hütte im Unterengadin standen, und einen sich plötzlich selbstentleerenden Reifen mit dem dritten Schlauch bestückt hatten, bis uns endlich keine "pfffff...-Geräusche" mehr zu Ohren kamen. Der Wetterbericht hatte heftige Regengüsse vorausgesagt. Wie würde es nach so einem Beginn weitergehen? Doch Murphy schlug vorerst ganz anders zu: Kurz vor der Radtragepassage in der Schlucht des Val d' Uina hatte die Hexe wieder Wolfgangs Rücken mit Erfolg beschossen, so dass er den Weiterweg zur Hütte nur mit dem Risiko hätte weitermachen können, am nächsten Morgen einen aussichtsreichen Rega-Hubschrauberflug zurück ins Tal zu machen. Also schleppten Werner und ich unsere Bikes alleine über den in die Felsen eingesprengten Steig durch die fantastische Schlucht weiter zur Sesvenna-Hütte. Dort trafen wir auf den üblichen Hüttenbetrieb mit "Rotweingenuss-korreliertem" Lärmpegel in der übervollen Gaststube und "Hoch auf dem gelben Wagen"- Gesängen. Wie schön war da der Sinkflug am nächsten Morgen hinab ins Vinschgau! In kaum mehr als einer halben Stunde waren 1000 Höhenmeter "vernichtet" und wir cruisten durch stimmungsvolle südtiroler Dörfer nach Taufers. Dass kein Genuss ohne Reue ist, mussten wir gleich darauf verspüren, als eine dreistündige Auffahrt über den gleichen Höhenunterschied, ständig in einer Steilheit am Rande der Befahrbarkeit, bis unter den Cruschettapass folgte. Und als "Sahnehäubchen" war dann auch noch eine über einstündige Schiebepassage über den Pass selbst zu überwinden. Trotzdem genossen wir, so langsam Richtung S-charl wieder in die Zivilisation einzutauchen. Bei der Stärkung im Schweizer S-charl, das wir bislang fast trocken erreicht hatten, wähnten wir Murphy schon hinter uns leider zu früh gefreut. Auf der immerhin noch 800 Höhenmeter starken Abfahrt von S-charl, das mit seinen 1900m bestimmt eine der höchstgelegenen Siedlungen der Alpen ist, wurden wir tropfnass geduscht. Was soll's, das schutzspendende Auto war nahe, eine erlebnisreiche Tour zu Ende. Doch wie lange Murphys Arme reichen können, merkte ich noch einen Tag später: mein Fahrradcomputer gab wegen Nässeeinwirkung seinen Geist auf!


12.01.2006