DAV Sektion Garching: Tourenberichte 2009
Renate Saffert:
Vorderunnütz (2078m,
Brandenberger Alpen)
(15. Januar 2009)
Eigentlich war der Unnütz als Schitour geplant, aber bei der kümmerlichen Schneedecke konnten wir die gleiche Ausrüstung wieder einsetzen, die am letzten Samstag (10.01.2009) für den Jochberg getaugt hat. Das war eine Tour im schönsten Sonnenschein mit wenig Schnee, und die Schneeschuhe blieben zu Hause.
Problemlose Anfahrt zur Seniorentour am Donnerstag Richtung Achensee und dem ordentlich geräumten Parkplatz am ehemaligen Hotel Achenseehof. Aufstieg von Süden her, grauer Himmel über uns. Doch schon nach einer Stunde lichtet sich das Grau an der Kögl-Alm. Es gilt, einen breiten Graben im tiefen Schnee zu durchqueren. Die Landschaft zeigt sich winterlich, die Schneehöhe steigt stetig an. Bald gibt es eisige Stellen im Hang. Die Grödel hüpfen leider nicht von alleine an die Stiefel, und wir üben Hilfe zur Selbsthilfe und Nächstenliebe. Schön gleichmäßig geht es durch den Wald eine Stunde weiter bergan. Mittlerweile kann man über den oberen Rand der Wolkendecke schauen. Die ersten Felsen zeigen sich, sehr malerisch von Latschen umgeben, und es stellt sich eine vage Erinnerung an einen mühseligen Aufstieg im Herbst ein. Die winterliche Variante heißt ab und zu mal sein Bein aus einem tiefen Loch herausziehen oder sich freuen, wenn die Schneebrücke zwischen den Latschen das Gewicht aushält.
Noch eine Geländestufe und noch eine, und endlich kommt noch der lange, lange Weg zum Gipfel. Die kahle Hochfläche könnte man als Wintertraum bezeichnen: vom Wind ausgeblasener Bruchharsch in vielerlei Formen, Schneekristalle flimmern in der Sonne, aus der Tiefe wirbelnde Schneefahnen, unter uns die dicke graue Wolkendecke, darin ein schwarzes Loch namens Achensee, und darüber alle treuen Berggipfel versammelt. Zum Greifen nah der Guffert. Das Gipfelkreuz zeigt sich erst im letzten Moment. Der Gipfel selbst eignet sich nicht so für eine ausgedehnte Brotzeit, denn es weht ein starker, kalter Wind. Zudem haben sich auf den Schuhen Eiskristalle angesiedelt, die nun langsam von innen her angewärmt werden und schmelzen. An schwere, wasserdichte Bergstiefel hat keiner von uns gedacht, siehe Tour auf den Jochberg. Dass wir 500 m höher unterwegs sind, macht sich nun bemerkbar. Im Abstieg bieten sich immer wieder allerfeinste Kalenderblicke. Als es dann zu dämmern beginnt, legt sich ein rosa Schimmer von unten an die Wolkendecke. Wohlbehalten erreichen wir die Autos, und da merke ich erst, wie nass und klamm alle meine Kleider sind. Der letzte Schluck Tee ist fast gefroren.
Wie viele Leute? Mit Führer Henning neun an der Zahl! Höhenmeter? 1176! Zeit? Mit Pause etwa 4,5 Std. Aufstieg! Einkehr? Im Café “Tortentraum“ in Kreuth! Zufrieden? Alle sehr!
Bilder von
23.03.2009