DAV Sektion Garching: Tourenberichte 2008


Peter Heidl: Senioren-Skitouren im Sarntal (Südtirol)
(15.-20. März 2008)

Als Henning die Idee hatte, im Sarntal ein paar Touren zu unternehmen, war in Nullkommanix eine Gruppe mit entsprechender Altersstruktur beisammen.

Am Samstag (15.03.2008) starten in Garching zwei Autos mit je vier Teilnehmern Richtung Brenner. Wegen der Wintersperre des Penser Jochs holen  wir über Bozen nach Süden aus und erreichen so Durnholz; vorbei an etlichen Burgen und Ruinen und durch viele Mini-Tunnels. Obwohl der Ort auf 1500m liegt, ist eine geschlossene Schneedecke erst viel höher auszumachen. Aber unser Vertrauen in Henning ist dadurch nicht zu erschüttern. Wir genießen erst mal die Vorzüge des Jägerhofs, in dem wir bestens unter gebracht sind. Allein das Salatbuffet lässt die Herzen aller Gesundheitsbewussten höher schlagen - und welcher Senior ist das nicht? Dazu passt auch, dass um 22 Uhr alle in den Betten liegen, in Erwartung eines anstrengenden Tages. Zuvor hatte es noch eine Schrecksekunde bei Marianne gegeben: Ski- und Wanderschuhe waren irgendwo, nur nicht hier. Die freundliche Bedienung stellt ihre Skischuhe zur Verfügung, die sogar annähernd passen.

Der Palmsonntag (16.03.2008) wartet mit einer Überraschung auf: Schneeregen beim Frühstück! Flexibel wie wir Senioren nun mal sind, finden wir uns alle (freiwillig!) bei der Messe in St. Nikolaus ein. Trotz der vielen Einheimischen findet sich noch ein Plätzchen für uns. Wir dürfen anschließend die Fresken aus dem 15. Jahrhundert bewundern, die u. a. die berühmte Szene des Heiligen mit den Goldkugeln für die drei armen Mädchen darstellen. Vor der Kirche stehen Olivenzweige und Palmkätzchenbuschen an Tragestecken, die zunächst mit zum Gasthaus und später nach Hause genommen werden. Auch wir finden uns mangels Wetterbesserung in der Wirtsstube ein. Auf Anregung von Eckehart muntert uns ein „Veneziano“ auf, dessen Bitteranteile nur einen mäßig  schnellen Konsum zulassen.
Nebenbei können wir die lokale Tracht bewundern. Die Frauen tragen Kopftücher (!) und wertvolle Schürzen, die sie umsichtig vor Nässe schützen, die Männer Gürtel und Hosenträger mit aufwändiger Federkielstickerei, für die man 100 bis 200 Arbeitsstunden von Spezialisten rechnen darf.
Am Nachmittag findet noch ein Goretex-Test statt; nach zwei Stunden haben aber alle genug von dem Wetter und kehren um. Eckehart  fährt Marianne in ein talwärts gelegenes Sportgeschäft, das auch am Sonntag Tourenstiefel verleiht. Abends trifft eine riesige Gruppe Schweizer ein, die den Speisesaal von nun an akkustisch dominiert. Immerhin leiht deren Führer Henning seine Reservefelle, so dass wir nicht ohne Leiter dastehen.

Am Montag (17.03.2008) gehen wir um 8:30 Uhr direkt am Durnholzer See los. Allmählich steigt der Weg im Großalmtal an. Die Sonne verschwindet hinter Wolken; wir wechseln beim Spuren ab. Gerhard  und Albrecht erkunden im Talgrund  eine Rückfahrroute. Wir peilen die Kassianspitze (2581m) an, es wird immer steiler. Hans verliert einen Skiteller - auch eine größere Suchaktion fördert ihn nicht zutage. Glücklicherweise findet sich ein Ersatzteller im Rucksack. Am Beginn eines schmalen Grates vor dem Gipfel beschließen wir um 14:45 Uhr sofort abzufahren. Gerhard bewährt sich als Reparateur von Eckeharts Bindung, dann fahren wir in dem lockeren Schnee ab, der nachts gefallen ist: ein Hochgenuss! Die Heimfahrt am Bach entlang erfordert etwas Augenmaß, aber gegen 17:00 Uhr und nach über 1000 Hm sind alle wohlbehalten im Quartier. Ein Teilnehmer gibt sich sogar Saunawohlgefühlen hin, zusammen mit zwei Damen aus Köln. Die Sicht in der Kabine muss aber schlecht gewesen sein, denn er konnte sie später nicht mehr identifizieren (doch, doch - er hat sich ehrlich bemüht!).

Am Dienstag (18.03.2008) verkürzen wir den Anlauf mit Hilfe der Autos um ca. zwei Kilometer. Bei eiskaltem Wind beginnt um 9:00 Uhr der Aufstieg im Seebachtal. Um 11:30 Uhr leisten wir uns eine kurze Rast in Sonne (Bananenpause). In über 30 langen Kehren geht es steil hinauf  zum Tellerjoch (2520m). Ein großes Lob unseren fleißigsten Spurern: Gerhard, Albrecht und Henning. Sogar  Marianne geht ein Stück als Erste: dafür wird sie zur „Ausnahmeathletin“ befördert. Vom Skidepot kämpfen wir uns durch dramatische Schneewirbel zur Scharte hinauf; auf der anderen Seite ist es windstill! Beeindruckende Aussichten: der messerscharfe Schneegrat hinauf zur Tellerjochspitze, das grandiose Panorama u. a. mit dem Langkofel und darüber nur ein paar hingetupfte Wölkchen. Bei der Abfahrt in bestem Pulver der Ausruf einer Teilnehmerin: „Toll - ich kann Skifahren!“
Im Gasthof versammeln wir uns nach 940 Hm in der Komfortwohnung von Marianne und Monika und genießen nicht nur Albrechts bekannt guten Kuchen, sondern auch getrocknetes Quittenmark - ein lukullischer Höhepunkt. Alle? Nein - einer sitzt mutterseelenallein in der Sauna - weit und breit keine Kölnerinnen!

Am Mittwoch (19.03.2008) überrascht uns ein blitzblanker Himmel. Um 8:30 Uhr starten wir bei -10 Grad vom Hang gegenüber unseres Gasthofes. Vorsichtige legen Harscheisen an, unsere Ausnahmeathletin rutscht trotzdem auf Ästen aus. Mit dem Kopf hangabwärts gelegen, ist sie sehr erleichtert, als Gerhard sie aus dieser misslichen Situation befreit. Die Spur führt durch lockeren Latschenbewuchs; der Berichterstatter hat die Gruppe stets im Auge, da er traditionell  als Letzter geht (Anmerkung des Webmasters Jo: aber nur wenn der Webmaster nicht dabei ist). Kurz vor 12:00 Uhr sind wir am Gipfelkreuz der Pfattenspitze auf 2340m angelangt. Herrlicher Rundblick von den Tribulaunen bis zum Ortler. Nach ausgiebiger Rast beginnt eine denkwürdige Abfahrt. Eckehart stößt nach wenigen Metern einen Freudenschrei aus: er hat sein Harscheisen wiedergefunden, das sich kurz vor dem Skidepot konstruktionsbedingt selbständig machen konnte. Auch Henning stößt an gleicher Stelle einen Schrei aus: sein Ski hat sich davon gemacht und zischt zu Tale. Wenn ein Ski nur alle 10m Bodenkontakt hat, funktionieren Skistopper offensichtlich nicht so gut (vielleicht sollte man Verbesserungen nach dem Treibankerprinzip in Erwägung ziehen - Traditionalisten verwenden einstweilen weiterhin Fangriemen). Es ist wiederum Eckehart, der triumphierend den Ski in einer Mulde sichert. Inzwischen ist der Schnee aufgefirnt, und wir kurven zwischen den Latschen begeistert talwärts. Ein Stadel lädt noch zu einer letzten Rast in praller Sonne ein.
Im Gasthof - nach 870 Hm - vertilgen wir alle den Rest von Albrechts Kuchen. Eckehart spendiert eine Runde Veneziano, dann gehen wir nahtlos zum Abendessen über. Marianne überreicht  dabei Henning unseren Dank für seine gute Organisation: die neuen Felle. Der Hirschbraten wird vom Rotwein etlicher edler Spender begleitet.

Am Donnerstag (20.03.2008) ist es wieder kalt, trotz bedecktem Himmel. Um 8:30 Uhr brechen wir auf zur Flaggerscharte. Um 11:45 Uhr erreichen wir das gleichnamige Haus (2481m). Nach flotter Abfahrt sind wir um 13:00 Uhr an den Autos, nach 920 Hm. Die Heimfahrt führt durch das blühende Bozen: Forsythien, Magnolien, Zierkirschen. Der Frühling hat begonnen, aber nur hier unten. Ab dem Brenner setzt wieder unser normales Wetter ein. Die Tage in Sarntal waren auch in dieser Beziehung etwas Besonderes.
In Garching stellte Marianne erleichtert fest, dass ihre Schuhe doch nicht neben ihrem Auto stehen. Dabei lässt sie ihre Tasche in Eckeharts Auto liegen. Nach Seniorentouren hat man noch lange etwas zu erzählen!

Bilder von Henning Verbeek:


23.04.2008