DAV-Garching: Tourenberichte 2003
Helmuth Freytag: Bergtour für Rentner (Watzmann) (03.-05. August 2003)
(siehe auch Touren Chronik 2003)
Ich war zwar vorgewarnt aber trotzdem etwas enttäuscht, als mich am Freitagabend der Anruf erreichte, diese Tour von Henning müsse aus zwingenden familiären Gründen abgesagt werden.
Dann aber meldete sich Resi und fragte, ob ich bereit wäre, mit ihr und Karen zusammen diese Tour auf privater Basis mitzumachen, was ich gerne bejahte. So kam, wie schon so oft, eine bereits abgesagte Tour doch noch zustande und die sorgfältige Planung von Henning war nicht umsonst gewesen, sondern hat unserer Dreiergruppe ein eindrucksvolles Bergerlebnis geschenkt.
Wir folgten, bis auf eine kleine Vereinfachung, genau der vorgesehenen Route:
Anreise am Sonntag, 5:56 Uhr ab Ostbahnhof mit der Bahn, ab Berchtesgaden mit dem Bus bis Königssee. Es war 10:30 Uhr, als wir den Aufstieg begannen. Wir waren froh, die Route über Kührointhütte und Falzlalm gewählt zu haben, die zum großen Teil durch schattigen Bergwald führte. Der von Henning vorgesehene Aufstieg von Bartholomä aus über den Rinnkendlsteig wäre sicher interessanter, aber auch anstrengender und vor allen Dingen mehr der Sonne ausgesetzt gewesen. So erreichten wir ohne größere Strapazen gegen 16:00 Uhr das Watzmannhaus und konnten den Rest des Tages auf der Terrasse der Hütte verbringen und die grandiose Aussicht genießen. Noch um 20:00 Uhr saßen wir dort und beobachteten den Sonnenuntergang, während im Tal langsam die Lichter an gingen.
Am nächsten Morgen gegen 7:00 Uhr reihten wir uns in die Karawane ein, die zum Hocheck (2651m), dem ersten Watzmanngipfel, aufstieg. Von dort ging es, bei deutlich reduzierter Teilnehmerzahl, weiter zum höchsten Gipfel, der Mittelspitze (2713m) und schließlich zur Südspitze (2712m). Da der Tag lang und das Wetter zuverlässig war, konnten wir auf jedem Gipfel Rast machen. Gegen 13:00 Uhr begannen wir mit dem langen und anstrengenden Abstieg ins Wimbachtal, immer in der prallen Sonne über steiles, schrofiges Gelände. Nicht zu beschreiben das Glücksgefühl, als wir weiter unten auf eine grüne Oase mit klarem Quellwasser stießen. Fast eine Stunde saßen wir dort, hielten unsere Füße ins kühle Wasser und tranken und tranken, bis es nicht mehr ging. Nach zwei weiteren Stunden, anfangs immer noch über steiles, rutschiges Gelände, erreichten wir um 18:00 Uhr endlich die Wimbachgrieshütte (1326m). Auch hier konnten wir dank der sommerlichen Temperaturen bis zur Bettgehzeit im Freien sitzen. Um so stickiger war dann die Luft im dicht belegten Schlafsaal unter dem Dach - aber irgendwie ging auch diese Nacht vorüber, und wir wurden am nächsten Morgen durch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet ausgesöhnt.
Kurz nach 8:00 Uhr begann die letzte Etappe unserer Dreitagestour: über den Trischübelpass zurück nach St. Bartholomä. Resi und ich hatten kein Verlangen mehr nach einem weiteren Gipfel. So stiegen wir ins Tal ab, während Karen noch auf den von Henning im Programm vorgesehenen Hirschwieskopf (2114m) stürmte. In nur 40 min. erreichte sie vom Pass aus den Gipfel und sie sagte uns später, als sie uns an der Holzstube wieder einholte, dass sich der Abstecher auf Grund der besonders schönen Aussicht durchaus gelohnt habe. Gemeinsam gingen wir die letzten 300 Hm hinab an den See und suchten uns einen geeigneten Badeplatz. Das klare, angenehm temperierte Wasser war eine Wohltat für unsere müden Knochen. Ein letztes Bier wurde noch im See-Restaurant genossen, dann reihten wir uns in die Schlange der Tagesausflügler am Bootssteg ein und fuhren mit dem leise tuckernden Elektroboot zurück nach Königssee, immer mit Blick auf die Watzmannkette hoch über uns. Der Linienbus brachte uns zurück zum Bahnhof Berchtesgaden und kurz nach 22:00 Uhr waren wir wieder in München.
Lieber Henning, vielen Dank für diesen überaus reizvollen Tourenvorschlag - sicherlich hättest Du diese Tour gerne selber geführt, aber vielleicht lässt sich das Versäumte zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
11.01.2006