Sabine Lindenhahn: Südtirolwanderung zu "Natur, Kultur,
Speck und Wein"
(28.09.-03.10. 2001)
Ich liebe Südtirol, diese sonnenverwöhnte Landschaft, wo sich zwischen Weinbergen und steilen Hängen sagenumwobene Burgen majestätische Standorte gesucht und verschlafene Bergdörfer ihren urwüchsigen Charakter bewahrt haben. Besonders reizvoll empfinde ich den Herbst, wenn das Weinlaub und die Lärchenwälder um das goldigste Leuchten wetteifern und einen traumhaften Kontrast zu den weißen Gipfeln der Dolomiten bilden. Nicht zu vergessen die gute Küche mit all ihren Leckereien und natürlich der guten Wein!
Deshalb war die Freude groß, dass auch heuer wieder eine mehrtägige Tour in diese bezaubernde Gegend im Programm war. Quartier bezogen wir diesmal in Völlan bei Lana, in der Pension "Garni Fernblick" inmitten endloser Apfelplantagen. Ein guter Fernblick wurde tatsächlich geboten, wenn auch leider oft wolkenverhangen.
Den Treffpunkt am Freitag, 11 Uhr vor Ort, meisterten alle 10 Tourenteilnehmer mühelos. Das sonnige Wetter nutzend, wurden auch sofort die Wanderschuhe geschnürt. Zur Einstimmung gab's eine gemütliche Wanderung zum Völlaner Badl, einem alten Bauernbad, welches noch heute in Betrieb ist. Am Weg lagen die Völlaner Pfarrkirche St. Severin mit wunderschönen alten Fresken und einem tollen Blick auf den Ifinger und die Mayenburg. In der Obertalmühle warteten der erste Speck und der erste " Nuie" (Wein) auf uns. Der Höhepunkt des Tages und für mich einer der schönsten Momente der gesamten Tour war der Besuch von St. Hyppolit. Schon von weitem leuchtete uns das Kirchlein, ganz allein hoch droben auf einem Hügel stehend, entgegen. Unter Weinlaub mit fantastischem Blick ins Etschtal genossen wir die wärmenden Sonnenstrahlen bei Südtiroler Köstlichkeiten und natürlich, wie es sich für's Törggelen gehört, bei einem Viertel Roten. Nebenbei erfuhren wir von Peter Martin etwas über die geologischen Besonderheiten der Gegend, beispielsweise über die Südtiroler Schalensteine.
Am Samstag stand mein Lieblingsberg, der Gantkofel (1820m) auf dem Programm, dieser steil abfallende Berg, der markant, wie eine Nase über dem Etschtal in den Himmel ragt. Ein Hexenschuss verdarb mir die Wanderfreude. Trotzdem entschloss ich mich für die Tour und habe es nicht bereut, auch wenn der Nebel den viel gepriesenen Blick auf Brenta, Dolomiten, Texel- und Ortlergruppe nicht freigab. Selbst der Blick ins Etschtal war uns nur Sekunden vergönnt. Ausgangspunkt für unsere Wanderung war St. Felix. Von dort begleiteten uns anfangs sanfte Buckelwiesen bis zum Felixer Weiher. Später galt es einen steilen Abstieg zu bewältigen, bevor wir nach erneutem Anstieg das grasige Plateau dieses Gipfels erreichten. Zur Belohnung gab's in der gemütlichen Hütte am Felixer Weiher eine zünftige Stärkung.
Der Sonntag stand wettertechnisch unter einem schlechten Stern. Es regnete. Doch wir machten aus der Not eine Tugend und widmeten uns der Kultur. In Grissian besuchten wir den ältesten Weinstock Europas. Er bedeckt eine Fläche von 350qm und liefert 700kg Wein. Im Anschluss besichtigten wir die ehemalige Pestkapelle St. Jacob aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist über einen Fußweg vom Schmiedlhof in kurzer Wanderung zu erreichen. Inmitten von Lärchen liegt sie ganz versteckt auf einem Hügel und beherbergt wertvolle alte Fresken, über die uns Elfi kulturhistorisch in Kenntnis setzte. An der Gleifkapelle in St. Michael gab es im Schutze einer großen Zeder erstaunlicherweise eine trockene Brotzeit. Gestärkt lauschten wir dabei Peter Martin's Ausführungen zum berühmten Gletscherschliff, den man hinter der Kapelle findet. Bei einer Cappuccino-Pause im noblen Strobelhof trennte sich die Gruppe. Der fitte, dem Regen strotzende Teil, strebte die Eislöcher und den Eppaner Höhenweg über die Burgruine Boymont nach Hocheppan an. Die Lazarettabteilung, der auch ich angehörte, kam im Strobelhof in den Genuss des exclusiven Kuchenbuffets, um dann gestärkt den Rückweg nach St. Michael anzutreten. Wir setzten die Tour per Auto Richtung Schloss Korb fort. Von dort erreichten wir über einen steilen Anstieg die Burgruine Hocheppan, wo wir den anderen Teil der Gruppe erwarteten. Nach dem obligatorischen Viertel bei zünftiger Brotzeit besichtigten wir gemeinsam die Burgkapelle, welche wiederum reich mit alten Fresken bestückt war. Endlich hatte auch der Regen aufgehört und Hocheppan verabschiedete sich von uns mit einem wunderschönen Regenbogen.
Für den Montag war die Wetterprognose gut. Deshalb wählten wir diesen Tag für den Lärchenhöhenweg. Über Terlan und Mölten erreichten wir das verschlafene Dörfchen Verschneid. Von da trugen uns die Wanderstiefel nach Lafenn, einer gemütlichen Jausenstation mit nettem Kirchlein, und als sich der Nebel endlich doch lichtete, konnten wir auch den fantastischen Blick genießen, der uns den ganzen Höhenweg begleitete. Auf der Sonnenterrasse des Wieserhof's am Tschöggelberg hatten wir dann ein nahezu atemberaubendes Dolomitenpanorama. Wie eine Perlenkette schimmerten die einzelnen Gipfel in der Ferne. Krönender Abschluss dieses Tages war die Besichtigung der Erdpyramiden in der Nähe des Hofes. Die Aussicht, den Tag im Lanaer Brandiskeller beschließen zu können, ließ uns verschmerzen, dass wir am Gasthaus Tschaufen auf den Einkehrschwung verzichten mussten.
Am Dienstag hatte Peter die Besteigung des Roen geplant. Das Wetter und Manfred's, den Dienst verweigerndes Auto, machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wir disponierten um und nahmen nochmals das Völlaner Badl in Angriff. Diesmal waren die Türen nicht verschlossen. Selbst in die alte Hauskapelle konnten wir einen Blick werfen. Dann ging's steil hinauf zum Hof Hauser, ein Ort an dem die Zeit stehengeblieben ist. Manches Museum würde sich um den Hof und die alten Gerätschaften reißen. Die Mittagspause gab's am Rinnerhof. Von der herzlichen Wirtin wurden unter anderem Speckknödelsuppe, Marillenknödel, Buchweizenschmarren und Gerstlsuppe serviert. Auch das "1/4 Roter" fehlte nicht! Der gemütliche Kachelofen verbreitete eine wohlige Wärme. Schließlich machten wir uns doch wieder auf den Weg und über die Gallhöfe, wo es noch einmal eine kurze Einkehr gab, erreichten wir singenderweise unser Quartier.
Am Abreisetag sollte das Wetter schön werden. Damit stand unserem zweiten Gipfel, dem Monte Roen (2120m), nichts mehr im Wege. Am Morgen hielt sich jedoch noch dichter Nebel. Davon profitierten die kunsthistorich Interessierten. Wir besuchten vor unserer Tour die Kirche in Niederlana mit dem berühmten Schnatterpeckaltar, einer der größten Flügelaltare im gesamten Alpenraum. Über Eppan und Kaltern erklommen wir auf vier Rädern den Mendelpass, unseren Ausgangspunkt. Endlich bekamen wir auch die Sonne zu Gesicht. Vom Mendelpass ging's über Halbweghütte (Mittagsrast) und die Malga Roen Hütte zum Gipfel. Schade, dass uns die Fernsicht wieder einmal nicht vergönnt war. Der abschließende Einkehrschwung am Mendelpass gestaltete sich unerwartet schwierig. So belebt und geschäftig, wie sich dieser Ort tagsüber präsentiert, so tot und ausgestorben ist er am Abend. Schließlich fanden wir doch noch ein Plätzchen, wo wir in froher Runde, zwar schon etwas dezimiert (Manfred und Lore hatten uns bereits verlassen), diese schönen Tage natürlich bei einem "Viertel Roten" und einer ordentlichen Brotzeit ausklingen lassen konnten.
Es waren wunderschöne Tage, auch wenn wir
diesmal nicht auf Gipfeljagd waren, sondern uns, auch aufgrund des Wetters, mehr
den kunsthistorischen und kulinarischen Gipfeln widmeten.
Im Namen von Elfi, Willi, Karen, Johanna und
Harald, Lore, Manfred und Uli danke ich Hedi und Peter Martin für die
Organisation, die Durchführung und die vielen kunsthistori-schen und
geologischen Neuentdeckungen.
12.01.2006