Bericht von der Tour ins Graue
Wanderung auf die Sonntagsspitze, 1923m, am 04.11. 2001
Eine der letzten Touren unseres Sommerprogramms ist Tradition: Die Tour ins Graue, im November, dem Nebelmonat. Es ist ungewiss, ob es regnet oder vielleicht schon der erste Schnee liegt.
Oder vielleicht der allerletzte Altweibersommersonnentag uns lacht, wie in diesem Jahr. Auf dem Weg zum Achensee waren die Weiden neben der Straße grau vom Raureif und die Kühe, die sich was zum Fressen suchten, taten mir leid. Während der Fahrt ging die Sonne auf und allmählich wurden die Wiesen grün.
Vom Parkplatz bei den Christlumliften, 945m, wanderten wir das Unterautal hoch ins Karwendel. Es war immer noch sehr kalt und wir gingen sehr rasch. Bis zum Gröbner Hals, 1654m, wurde uns ganz schön warm. Wunderbar hier in der Sonne zu sitzen mit Blick ins Karwendel und auf der anderen Seite ins Rofan.
Nach der Pause stiegen und kletterten wir noch ca. 300m zur Sonntagsspitze hoch. Im Schatten lag in den Mulden etwas Schnee und der Boden war vereist. Teilweise war ein Seil gespannt. Oben lockte wieder die Aussicht, diesmal auch nach Süden in die Tauern und Zillertaler Berge. Der Grat führte weiter zur Schreckenspitze. Auch an den kurzen Tag denkend, wollten wir lieber nicht ausprobieren, ob der Berg vor uns so schrecklich ist. Der Abstieg zum Gröbner Hals war sowieso schwieriger als der Aufstieg.
Zum Tal gingen wir den Weg über Kleinzemmalm und Seewaldhütte. Dieser Steig zog sich unterhalb der Hochplatte in der Sonne hin. Im Wald an den Berghängen gegenüber standen goldene Lärchen zwischen den dunklen Fichten.
17 Garchinger erlebten einen wunderbaren Spätherbsttag.
Post scriptum:
Im Herbst schaut der Tourenführer die Landschaft auch schon mal mit den Augen des Schifahrers an: wie sieht es hier aus, wenn Schnee gefallen ist? Das müssten doch eigentlich Idealhänge zum Zöpferlflechten sein. Und auch die Gefahr durch Lawinen dürfte hier gering sein. Bei der Weihnachtstour am 27.Dezember 2001 (die immer ohne Zielangabe im Programm steht) haben wir es dann ausprobiert. Bei kaltem Pulverschnee und Wintersonne war die Abfahrt vom Schispitzl am Gröbner Hals ein Traum. Nur unten an der Schattengrenze sorgte der Anführer und Berichterstatter mit einem spektakulären, aber harmlosen Sturz für einiges Gelächter. Die erste Abfahrt war viel zu schnell vorbei. Darum stiegen wir noch mal an bis dicht unter den Gipfel des Rether Kopfes. Diese Abfahrt war das Höchste: Hier war der Schnee noch pulvriger und auch noch unverspurt. Wir fanden eine Waldschneise, die uns weit hinunter brachte. Zwischen drin fiel unsere beste Schifahrerin in ein mit Pulverschnee gefülltes Loch. Ein Bild für die Götter: während sie sich abmühte, standen ihre Männer oberhalb und feixten. Zum Schluss ging es dann irgendwo durch den tiefverschneiten Wald und der Ziehweg im Tal verlangte nur wenig Schiebung.
Das Ganze war ein gelungener Auftakt des Schitourenwinters.
05.06.05