DAV Sektion Garching: Tourenberichte 2002

Sellrain – 4 Tage auf der Neuen Pforzheimer Hütte

Am Samstag den 16. März ging es zu unchristlicher Zeit Richtung Sellrain los, allerdings mit der Aussicht auf Superwetter.... was will man mehr?

Die drei Autos landeten pünktlich in St. Sigmund am Parkplatz und aus dem Autos schälten sich lauter Kreuzlahme heraus. Ich hatte gleich vorgebaut und mein Korsett dabei und hab daher meinen Rucksack kaum gespürt, nur musste ich mir so allerlei Frozzeleien gefallen lassen, so nach dem Motto, warum ich auf Skitour so großen Wert auf ne schlanke Taille lege.

Mittags waren wir auf der Hütte und saßen erst mal hinterm Haus in der Sonne. Um eins ging es dann los zu unserem Ausgeher, dem Schartlkopf (2831m), dem Hausberg der Hütte. Am Gipfel gab es eine Fotosession, Mercia auf dem Gipfelkreuz. Ein paar Einheimische hatten eine Digitalkamera dabei und es wurden eifrig E-mail-Adressen ausgetauscht, damit die Bilder auch irgendwann bewundert werden können. Die Technik macht halt auch vor den Bergen nicht halt. Am Abend gab es für die meisten Bergsteigeressen: Nudeln mit Soße, das war zu unserem Leidwesen dann jeden Abend so: Nudeln mit immer der gleichen Soße. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Sonntag früh ging es los Richtung Schöntalspitze, auf der Tour wurde kurzfristig umgeplant, der Berg war uns zu niedrig, wir wollten lieber auf die Vordere Grubenwand, die mit 3165 m immerhin 157 m mehr an Höhe bot. Die Abfahrt war dann besser als erwartet, nur der untere Teil, eine Rinne mit eingefrorenen Spurrillen, war nicht gerade lustig. Meine Ski fuhren immer dahin, wo sie nicht hinsollten.

Ja und dann, was fängt man mit dem angebrochenen Tag an? Felle dran und auf die Hintere Sonnenwand, da sah man schon von weiten eine einzelne wunderschöne Abfahrtsspur in einem wunderschönen langen steilen Hang und genau da wollten wir auch unsere Spuren reinlegen. Nur war das ganze weiter weg, als wir dachten. 2 Stunden und 850 Hm waren vorher zu überwinden. Der Reihe nach blieben die Teilnehmer auf der Strecke, nur Mercia, Carmen, Fred, Josef und ich haben es doch geschafft. Und dann kam die Belohnung – Pulverschnee vom Feinsten und das den ganzen Hang runter!!!! Für mich war es der erste richtige Pulverschnee in diesem Winter, ich hab glatt den Glauben an die Skitouren wiedergefunden, Sternstunden des Skitourengehens, ich komm jetzt noch ins Schwärmen, wenn ich daran denke.

Am Montag war dann der Zwieselbacher Rosskogel (3060 m) auf dem Programm, beim Aufstieg war alles hartgefroren, endlich kamen die teuer gekauften Harscheisen mal wieder zum Einsatz, dafür hat es bei der Abfahrt wunderbar aufgefirnt. Und weil wir am Tag vorher zwei Touren auf einmal gemacht hatten, musste heute auch ein zweiter Gipfel her: der Gleirscher Rosskogel. Der Karl-Heinz hatte dann immer noch nicht genug, er ist noch auf die Metzgerscharte, aber allein! Keiner wollte mehr mit. Jeden zog es zur Sonnenseite der Hütte und zum Bier. Selbst die Powerfrauen, Mercia und Carmen, passten und ich, der Tempomat wollte erst recht nicht. Man muss ja dran denken, dass nach einem Aufstieg eine Abfahrt kommt! Vor allem saßen immer eine Menge Leute an der Hütte in der Sonne, die konnten sehr genau beobachten, wer gut fährt oder wer im breitbeinigen Pflugbogen runterbürschtlt.

In der Nacht schlug dann das Wetter um und der Sturm heulte ums Haus und in der Früh sah es grau und trostlos und vor allem sehr kalt aus. Eigentlich sollte es der Gleirscher Fernerkogel werden, keiner wollte so recht und so wurde es nur die südlichste Sonnenwand. Auf dem Weg dort hin gab es ständig Kämpfe mit stollenden Fellen, Fred ist zu seiner großen Freude auf turmhohen Skiern marschiert. Karl-Heinz hat unverdrossen gespurt und sich dann am höchsten Punkt unserer Tour gewundert darüber, was "Koide Glupperl" sind. Fred hat ihn grinsend aufgeklärt, dass das kalte Finger sind. Da oben war es aber auch alles Zum Abschluss saßen wir dann alle im Wirtshaus, bei Weißbier und Suppen, Krautspatzen, Kaspressknödel, Speckknödel und was die österreichische Küche halt so alles hergibt, andere als gemütlich.

Im Blindflug ging es anschießend einzeln den Hang runter. So hatte jeder mal das Feeling, das sonst immer der Tourenführer allein hat..... fährt man jetzt runter oder rauf?

Ich bin jedenfalls an dem Tag dauernd im Schnee gesessen, meistens bin ich aus dem Stand dem Fred vor die Füße gefallen. Es waren halt doch anstrengende Tage.

Der Rest von der Abfahrt war dann gar nicht mehr schön, ab Höhe der Hütte wurde aus dem Schnee Schneeregen und irgendwann hat es dann wie aus Kübeln gegossen. Bis wir am Parkplatz waren, sahen alle aus wie getaufte Mäuse und von wegen Goretex und wasserdicht, ich war nass bis auf die Haut!

Zum Abschluss saßen wir dann alle im Wirtshaus, bei Weisbier und Suppen, Krautspatzen, Kaspressknödel, Speckknödel und was die österreichische Küche halt so alles hergibt, hinterher noch Verlängerter, was immer das auch für eine Kaffeesorte ist.

Und wie es halt so ist, jede Tour ist nachher immer noch schöner als die vorhergehende. Es hat wieder mal alles gepasst – was den Führer und die Teilnehmer anbelangt. Was man von der Hütte nicht unbedingt behaupten kann. Aber man kann nicht alles haben und vor allem soll man ja positiv denken. Also, an dieser Stelle nochmal ein "Danke schön" an den Fred, schee wars wieda moi!

Eva Hübner


05.06.05