Frieder, So. 24. September 2000
16 Teilnehmer waren in Griesen aufgebrochen, um bei bestem Wetter über den sonnigen Südhang des Frieders aufzusteigen und sich genussvoll in der Herbstsonne zu wärmen. Unser Führer Peter sorgte durch mehrere Pausen dafür, dass niemand "abgehängt" wurde und jeder seine hochinteressanten geologischen und botanischen Ausführungen mitbekam.
Zunächst warteten 4 gut ausgeschlafene Autofahrer (darunter der Autor) auf die Ankunft des Zuges um 9 Uhr. Was da aus dem Zug heraus kroch, erregte durchaus das Mitleid der Autofahrer, waren die Bahnfahrer doch schon um 6 Uhr in Garching aufgebrochen. Nach einer herzlichen Begrüßung ("H a l l o, ihr Ökoschweine" - so sinngemäß Bahnfahrerin Marianne zu den Autofahrern) machten wir uns auf den Weg.
Wir gingen zuerst zum Friedergries, welches eindrucksvoll dem Menschen zeigt, dass die Natur nicht zu bändigen ist. Die Friederlaine ist ein wild gewordener Bach, welcher Unmengen Schutt ins Tal schwemmt, der sich in einem riesigen Fächer ausbreitet. Hunderte von Fichten, die metertief begraben wurden, sind abgestorben und recken ihre kahlen Stämme in den Himmel. Weiter unterhalb hat der Wildbach rücksichtslos ein Moor überschüttet und durchschnitten und hat einen Blick in die Tiefe eines Moores freigelegt, den uns Peter erläuterte.
Der weitere Aufstieg brachte eine interessante Begegnung zwischen Marianne, Peter und einer ausgewachsenen Kreuzotter, die sich friedlich über den Weg trollte. Ansonsten bewunderten wir einige Eiben, die im Steilgelände zwischen Buchen und Fichten standen. Die Eiben sind in freier Natur nur sehr selten anzutreffen, weil sie fast vollständig von den üblichen Waldbäumen verdrängt wurden und früher zudem dem Raubbau der Menschen zum Opfer fielen.
Der Abstieg vom Frieder brachte weitere geologische und botanische Schmankerl: Das vorherrschende Gestein ist der Plattenkalk, der durch den Regen leicht ausgewaschen wird und vielfältige Erosionsfiguren (Karst) bildet. So verschwindet im Karst plötzlich das Wasser um im Tal als kräftige Quelle wieder auszutreten. Peter gestattete uns noch einen Blick auf das Rotmoos, das ein sehr schönes Beispiel für ein Hochmoor im Gebirge darstellt.
Zum Abschluss führte er uns noch nach "Klein-Kanada", einem einsam im Wald eingebetteten Bach mit einem Bild, wie man es nur von den Rocky Mountains kennt. Es fehlten nur die Cowboys auf den Pferden einer bekannten Zigaretten-Reklame. Glücklicherweise blieb noch einige Zeit für eine gemeinsame Einkehr in Griesen, bis sich Bahnfahrer und Autofahrer trennten. Auch letztere kamen nach einem etwas längeren und lästigen Stau vor Oberau wieder gut gelaunt zu Hause an.
Winfried Feneberg