AS Verlag Zürich
Tom Dauer, Reinhard Karl: DAS NEUE BILD DER BERGE
Reinhard Karl, charismatischer Freikletterer der ersten Stunde, Begeher der ersten Alpenroute im VII. Schwierigkeitsgrad und der erste Deutsche auf dem Everest, ist bis heute Idol vieler Bergsteiger geblieben. Sogar für Spitzenalpinisten unserer Tage wie Alexander Huber war er ein Vorbild. Seine Bücher haben nachfolgende Generationen von Kletterern maßgeblich beeinflusst, seine Fotografien weisen in ihrer Modernität über die damalige Zeit hinaus. Legende wurde er nicht zuletzt durch sein kritisches Hinterfragen des Bergsteigens auch im Kontext gesellschaftlicher und politischer Veränderungen.
Der bewusst subjektive Blick auf die Welt kennzeichnet nicht nur die Texte
Reinhard Karls, sondern ist auch ein Merkmal seiner Bildsprache. Aus dem
umfangreichen Fundus des fotografischen Werks, das er als Autodidakt geschaffen
hat, wurden für diesen großformatigen Bildband die Schwarz-Weiß-Aufnahmen
ausgewählt. Sie beobachten den Bergsteiger bei seinem für den Laien manchmal
"verrückten" Tun, stellen das bunte Volk der Kletterszene vor und fangen
Stimmungen und Emotionen - Freude, Angst, Erschöpfung - hautnah ein. Und sie
thematisieren das, was auch in seinen Texten immer wieder aufscheint: die
Brüchigkeit des Wahrheitsbegriffs, die Differenz zwischen der subjektiven
Wahrnehmung, dem Bild, und der objektiven Wirklichkeit. Dieses Bewusstsein über
die Relativität jeder Beobachtung hat mit alpiner Romantik nichts mehr gemein
und weist Reinhard Karl als Vertreter einer modernen Weltsicht aus.
144 Seiten, 84 Abb. Duoton
24 x 30 cm, 49,- Euro, ISBN 3-909111-24-6
15.05.2006